Schweiz

Front

Coronavirus

#WIRSINDZUKUNFT

Schweiz

Abstimmungen

Zürich

Bern

Basel

Zentralschweiz

Ostschweiz

Sport

Ausland

Wirtschaft

OneLove

People

Influencer Radar

Kino & Streaming

Best Crushing Newcomer

Community

Digital

E-Sport

Wissen

Gesundheit

Gutscheine

Deal.ch

E-Paper

Datenschutzerklärung

AGB

Impressum

Tarife & Mediadaten

Legaler Hanf«Nach 5 Stunden schlug der THC-Test positiv an»

CBD wird immer beliebter. Doch die Behörden sind noch nicht ganz darauf vorbereitet – etwa, wenn es um die Prüfung der Fahrfähigkeit geht.

von
V. Fehlmann
Aktualisiert

Legales Hanf (CBD) gibt es in verschiedenen Sorten. Sie enthalten geringe Mengen an THC. Noch herrschen diesbezüglich einige Unklarheiten.

Stevan Bukvic/Custom Images

Legales Hanf verbreitet sich derzeit rasant in der Schweiz. Gerade wenn es um das Autofahren geht, herrscht jedoch noch viel Unsicherheit. Denn auch legales Hanf enthält geringe Mengen an THC. Thomas Krämer, stellvertretender Direktor am Institut für Rechtsmedizin der Uni Zürich (IRM), sagt, es gebe noch keine ausreichenden Studien bezüglich CBD-Konsum und Autofahren. «Da CBD über zahlreiche und teilweise recht unterschiedliche Mechanismen im zentralen Nervensystem wirkt und somit ein breites Spektrum an Wirkungen produziert, kann nicht ausgeschlossen werden, dass es einen negativen Effekt auf die Fahrfähigkeit geben kann.»

advertisement

Auch zum THC-Gehalt im Blut nach dem CBD-Konsum gibt es laut Krämer noch keine ausgiebigen Studien. Erste Erkenntnisse des Instituts würden jedoch den Schluss nahelegen, dass bei Blutanalysen zwischen illegalem und legalem Hanf unterschieden werden kann. «Den CBD-Konsum als Ausrede für einen positiven THC-Befund kann bei normalem Gebrauch nicht vorgebracht werden, denn nach dem Konsum von CBD-Cannabis sind keine relevanten THC-Blutspiegel zu erwarten.»

Abstinenz gilt erst, wenn kein THC im Körper ist

Grundsätzlich müssen nicht zwingend Drogen im Spiel sein, damit die Polizei eine Weiterfahrt verbieten kann. «Es gibt eine neue Methode zum Testen der Fahrfähigkeit», erklärt Gian Andrea Rezzoli von der Kantonspolizei St. Gallen. Dabei wird auf verschiedene Symptome getestet. Erweist sich ein Autolenker als fahrunfähig, darf er auch nicht weiter fahren. «Das muss aber nicht an Drogen liegen, das kann beispielsweise auch bei Übermüdung sein», sagt Rezzoli. Solche Tests führen auch andere Kantonspolizeien durch.

Wer jedoch bekifft beim Fahren erwischt wird, muss seinen Führerschein abgeben und bekommt diesen erst zurück, wenn seine Fahreignung durch ein Gutachten erwiesen ist. Ernst Fröhlich, Leiter Prävention und Massnahmen beim Strassenverkehrsamt des Kantons Thurgau, verweist auf die Verkehrsregelverordnung: «Wenn eine Person wegen einer Drogenproblematik eine Drogenabstinenz einhalten muss, gilt die Abstinenz als eingehalten, wenn kein THC im Körper nachgewiesen werden kann», so Fröhlich.

advertisement

Muss davon ausgehen, dass CBD Fahrfähigkeit beeinträchtigt

Kristina Keller, Leiterin Verkehrsmedizin am IRM-UZH, bestätigt, dass es in erster Linie darum gehe, Süchtige von ihrer Abhängigkeit los zu bekommen. Das CBD könne aber im Einzelfall als Ersatzdroge angesehen werden. «Wir erhalten viele Anfragen von Probanden, die von Cannabis zu CBD gewechselt haben.» Keller rät Autofahrern jedoch, auf den Konsum von legalem Hanf zu verzichten.

Die Verkehrsmediziner erstellen Gutachten für die Strassenverkehrsämter. Momentan gelte eine Nulltoleranz, was den THC-Gehalt im Körper betreffe, sagt Keller. «Man muss davon ausgehen, dass CBD die Fahrfähigkeit beeinträchtigen kann.» Es könne etwa zu Konzentrationsmangel und Schläfrigkeit führen.

«Niemand weiss, wie das gesetzlich geregelt ist»

Agi Petrova, die mit ihrem Freund den Zürcher CBD-Shop Green Passion betreibt, hat in einem Selbsttest den THC-Wert im Urin gemessen. «Nach rund fünf Stunden, in denen ich fünf CBD-Joints geraucht hatte, schlug der Test positiv an», erzählt sie. Die Wirkung sei jedoch bei jedem Menschen anders. Trotzdem zeigt der Test: Auch CBD kann messbare THC-Spuren im Körper hinterlassen. Petrova rät ihren Kunden, das Autofahren nach dem Konsum von CBD sein zu lassen. Das empfehle auch das Bundesamt für Gesundheit in einem Merkblatt an die Verkaufsstellen.

Drogenhunde unterscheiden nicht

Laut Gian Rezzoli von der Kantonspolizei St. Gallen können Drogenspürhunde nicht zwischen legalem und illegalem Hanf unterscheiden. «Sie finden beides», so Rezzoli. Schlage ein Hund an, könne der Hanf im Labor mittels Schnelltest als legal oder illegal identifiziert werden. Handle es sich um CBD, werde die sichergestellte Menge an den Besitzer zurück gegeben, solange sie nicht zu gering ist. «Ein halb angerauchter Joint enspricht nicht gerade der Verhältnismässigkeit», so Rezzoli. Bisher hat die St. Galler Kantonspolizei seit Anfang Jahr bis Mitte Februar fünf Sicherstellungen weniger Gramm CBD gemacht.