Schweiz

Bern

2019 M11 9, Sat 17:17

Flüchtlinge protestieren «gegen Asylcamps»

1/8 Aufgerufen zur Kundgebung hatte das Migrant Solidarity Network.
In Bern sind mehrere Hundert Personen auf die Strassen gegangen. Sie machten auf die Situation von Flüchtlingen im In- und Ausland aufmerksam. An einer Kundgebung mit dem Titel «Asylcamps sind keine Lösung» haben am Samstag in Bern schätzungsweise 700 Personen teilgenommen. Die Organisatoren sprachen von 2000.

WERBUNG Aufgerufen zur Kundgebung hatte das Migrant Solidarity Network. Das ist eine Aktivistennetzwerk, das nach eigenen Angaben die Stimme von Flüchtlingen auf politischer Ebene besser zur Geltung bringen will. Es hat seinen Sitz in Bern.

Die Kundgebung richtete sich gegen die Zustände in afrikanischen und griechischen Flüchtlingslagern und gegen die «Abschottung Europas». Das schrieb das Migrant Solidarity Networt auf Flugblättern und in einer Medienmitteilung. Doch auch die Verhältnisse in der Schweiz kritisiert es.

Flüchtlinge würden in Schweizer Asylzentren isoliert. Nothilfezentren in den Kantonen seien «entwürdigend». Es brauche Respekt, Würde und den gleichen Zugang zu Wohnen, Arbeit, Bildung und Gesundheit für alle. Auf Isolation und Ausschaffungen sei zu verzichten.

Die von der Stadt Bern bewilligte Kundgebung begann auf dem Bundesplatz. Dann zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Berns obere Altstadt zur Schützenmatte, wo die Demonstration zu Ende ging.

Warten und warten

Auf dem Bundesplatz und während des Umzugs schilderten Flüchtlinge und Flüchtlingshelferinnen in Reden die Zustände in in- und ausländischen Lagern. Eine Helferin erzählte beispielsweise, wie im Camp Moria auf der griechischen Insel Lesbos Leute auf dem Boden schlafen müssen, auch im Winter.

Ein in die Schweiz geflüchteter Mann sagte, er habe in einer Schweizer Unterkunft ein Jahr lang mit 15 Personen ein Zimmer geteilt. Geflüchtete würden nicht ernst genommen in Bezug auf Grundrechte wie etwa Bildung, Wohnen, Gesundheit. Wer beispielsweise einen Arzttermin brauche, müsse schon schwer krank sein.

Wenn man beim Arzt sei, frage der zuerst nach dem Ausweis und wie lange man schon hier sei, statt nach den Beschwerden. Und wenn man sich weiterbilden wolle, heisse es: «Es gibt viele Anmeldungen». Dann warte man und warte.

Dieses Warten mache aggressiv und depressiv, sagte ein anderer Flüchtling, der nach eigenen Angaben in einer Unterkunft für abgewiesene Asylbewerber lebt. (sda)

Artikel zum Thema

Schüler in der Schweiz und Ruanda
«Wünsche mir ein iPhone» – «Und ich mir Essen»
Bessere Chancen auf Stelle
Nun soll der Computer Flüchtlinge platzieren

Mehr Themen